Monat: März 2017

Little Monster Travels 2

Linus wäre nie davon zu überzeugen gewesen, dass Dana nicht zaubern konnte. Vor ein paar Jahren war in ihm die Erkenntnis gereift, dass ihn das Bild des Kaffeehausintellektuellen ihn wesentlich mehr interessierte als das Durchackern mehrerer Regalmeter Sekundärliteratur zur Kritik der reinen Vernunft. Und so hatte er sein Philosophiestudium mit einem Entschluss statt mit einem Abschluss beendet, seinen Nebenjob als Kellner zum ehrenwerten Hauptberuf des Baristas aufgewertet und sich selbstständig gemacht. Gerade zu dem Zeitpunkt, als er begann, sich damit abzufinden, dass Kaffeehausintellektuelle wohl seit mindestens sechzig Jahren ausgestorben waren (oder vielleicht hatte die Evolution zugeschlagen und sie waren zum Hipster mutiert?), als Dana eine seiner erster Stammgäste wurde.

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Kanonkaleidoskop

Je kürzer der Kanon, desto besser eignet er sich dafür, ihm diese Gemeinheit anzutun.

Nehmen wir das Lied „Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist ist ein König.“

Wenn man ihn mehrstimmig singt, ist es für das Ergebnis egal, ob jeder das ganze Lied singt, oder ob man die einzelnen Stücke auf verschiedene Sänger verteilt. Das einzige Problem dabei: der Kanon geht im Kopf kaputt, wird zu einem Haufen Unsinnsscherben, und man kann ihn zwar vielleicht noch normal singen, aber nie wieder normal hören.

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Little Monster Travels 1

„Es gibt die Orte, die man gesehen haben muss – den Eiffelturm, die Freiheitsstatue, die verbotene Stadt. Dann gibt es Geheimtipps, die nicht jeder findet: die etwas ‚ganz Besonderes‘ oder ‚authentisch‘ sind, und nicht so überlaufen (so lange, bis sie sich herumgesprochen haben. Geheimtipps haben eine Halbwertszeit). Und dann gibt es die Reisen des Monsterchens. Das Monsterchen bringt Sie auf die Rückseite der Postkartenmotive. Es zeigt Ihnen die häßlichen Ecken Venedigs, oder die noch ungefilmten Ecken New Yorks…“

Dana blickte von ihrem Laptop auf und schaute durch das Schaufenster des Cafés über die verregnete Straße, mit einem Blick, der die Außenwelt nur wenig wahrnahm. Der Kaffeerest war längst kalt geworden, der kleine Tisch voll mit Papier, der Kopf quoll ebenfalls über. Zeit für eine Pause. (mehr …)