Monat: April 2017

Schreckschrauben, die vor Schreck schreiben, Folge 3

Aber nicht doch, liebe Leser!

Die geneigte Redaktion erreichten gleich mehrere besorgte Zuschriften mit der Frage, ob denn nicht nach der in unserer letzten Ausgabe abgedruckten Entdeckung diese hochgeschätzte Serie bereits ihren allzu frühen Höhe- und Schlusspunkt erreicht habe. Ich darf Sie jedoch beruhigen: die objektive Größe der Katastrophe steht keinesfalls im direkten Verhältnis zur Größe der durch sie verursachten Literatur; steht doch glücklicherweise das Individuum des Dichters zwischen der Wirklichkeit und der Dichtung. Es gibt dafür durchaus klassische Beispiele von Weltruhm. So war es ein objektiv recht kleines Unglück, das einen unbekannten Dichter zu dem unbestreitbar längsten Gedicht der Weltliteratur anregte. In seiner Gänze kann es hier nicht wiedergegeben werden, aber seine berühmten ersten Worte kennt jedes Kind:

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Terror der Dinge

„Ray-Ban. It takes courage.“

Man braucht uns als Konsumenten. Etwas zu kaufen bleibt immer möglich, wird uns überall aufgedrängt, ist geradezu unvermeidbar, passiert leicht, auch ohne dass man überhaupt etwas davon merkt. Vielleicht ist das alles normal, ist man versucht zu denken; vielleicht ist es nur natürlich, dass das virtuelle Geld auf den Konten nicht nur auf Dinge wie Miete, Telefonrechnungen, Versicherungen, etwas Essen verteilt wird, sondern auch auf Dinge, die einfach schön sind, vielleicht nützlich, bestimmt praktisch, ganz neu, Firmen ohne bekannte Geschäftsadresse, bei denen es Jahre dauern kann, das obsolete Abo zu kündigen, Firmen, auf deren Internetseite man sich nie angemeldet hat, was man aber nicht beweisen kann. Denn wo ist die Grenze zwischen dem Nötigen, dem Luxus, und dem Überflüssigen? Wir besitzen bereits am Lebensanfang mehr Dinge, als unsere Großmütter je hätten haben wollen. (mehr …)

Schreckschrauben, die vor Schreck schreiben, Folge 2

Liebe Leser,

so haben wir nicht gewettet!

Wir haben – sehr zu unserer Freude – eine unerwartet große Anzahl an Zuschriften bekommen. Es scheint tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Schock und Gedicht zu bestehen, und unser Verlag plant nun eine Anthologie unter diesem Titel, die die Literaturgeschichte in ganz neuem Licht erscheinen zu lassen verspricht. Dennoch müssen wir es energisch von uns weisen, Gedichte anzunehmen, die entstanden sind, indem man zukünftigen Dichtern mit Absicht Unheil zugefügt hat! Diese Art der Geschichtsschreibung und Geldmacherei können und wollen wir nicht unterstützen! Wir bitten also mit Nachdruck darum, von Zusendungen wie dem untenstehenden Beispiel abzusehen!

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Wenig tun

Ich freue mich an meinem  Zoo, den lieben Tierchen, die ich nicht einsperre, sondern frei fliegen lasse. Das hat zwar den Nachteil, dass man nie weiß, wann sie wieder in beobachtete Gebiete zurückkommen, oder wann sie an den ungünstigen klimatischen Bedingungen der fremden Länder, in die es sie verschlägt, zugrunde gehen; aber es hat den Vorteil, dass man sie nicht füttern muss. Und man muss keine lästigen Käfige putzen und keine überwinden, wenn man die Tierchen genauer sehen will.

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