Schreckschrauben, die vor Schreck schreiben, Folge 2

Liebe Leser,

so haben wir nicht gewettet!

Wir haben – sehr zu unserer Freude – eine unerwartet große Anzahl an Zuschriften bekommen. Es scheint tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Schock und Gedicht zu bestehen, und unser Verlag plant nun eine Anthologie unter diesem Titel, die die Literaturgeschichte in ganz neuem Licht erscheinen zu lassen verspricht. Dennoch müssen wir es energisch von uns weisen, Gedichte anzunehmen, die entstanden sind, indem man zukünftigen Dichtern mit Absicht Unheil zugefügt hat! Diese Art der Geschichtsschreibung und Geldmacherei können und wollen wir nicht unterstützen! Wir bitten also mit Nachdruck darum, von Zusendungen wie dem untenstehenden Beispiel abzusehen!

„Liebe Redaktion,

meine Schwester war nie ein Talent mit dem Schreiben, und ich weiß jetzt auch warum: Wir waren immer viel zu nett zu ihr. Da sie nächste Woche eine Klassenarbeit schreiben muss, dachte ich, ich tu ihr was Gutes und schmeiß sie die Treppe runter. Das Gedicht, was sie dann gemacht hat, habe ich aufgenommen. Es geht so:

 

Auaa!

Was soll denn das, du Pißnelke?

Hast du noch alle

Tassen im Schrank?

Ich hau dir gleich in die Fresse

Du hast doch den Arsch offen

Mein Knie blutet,

siehst du das nicht, ich krieg

nächste Woche dein Taschengeld und

du leihst mir ab jetzt dein I-Pad,

sonst erzähl ich das Mama.

 

Das ist jetzt zwar ein bisschen blöd für mich mit dem I-Pad, aber meine Schwester und die ganzen Literaturkritiker werden mir eines Tages noch dankbar sein.

Liebe Grüße,

Annika“

 

Nein, liebe Leser, halten wir uns lieber an das klassische Unglück oder (so viel wollen wir Ihnen zugestehen) an die selbstverschuldeten Katastrophen. Wir hatten Ihnen in der letzten Folge ja ein geradezu dadaistisches Exemplar versprochen, und es stammt aus ebendieser Kategorie; geschrieben wurde es von einer genuinen Schreckschraube, und es erreicht uns aus Übersee. Die dahinterstehende Katastrophe hat einen politischen Hintergrund und war offensichtlich biographisch so einschneidend, dass die literarische Form für ein Erstwerk ausgesprochen ausgefeilt ist. Der interessierte Leser wird sofort das Haiku erkennen!

 

Oh shit help what now?

President? This was a joke…

But I’m the best. Sad!

 

Freuen wir uns auf die nächste Folge. Vielleicht sendet die geschätzte Leserschaft uns ja ein Sonett?

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