Gehört die Banane zum Frühstück?

Immer wieder ist in den politischen Debatten der letzten Jahre diese brennende Frage aufgetaucht, die auch wir nicht länger ignorieren können. Die Positionen dieser Diskussion sind auch innerhalb unserer Diskussion schwer umkämpft, und sollen an dieser Stelle einmal übersichtlich und natürlich ganz neutral zusammengetragen werden. Im Sinne des vernünftigen Diskurses müssen wir Extrempositionen von beiden Seiten leider ausklammern, da wir sie in diesem Rahmen nicht mit der nötigen Umsicht diskutieren können.

So können wir hier weder die in gewissen Kreisen populäre Ansicht widerlegen, es sei unbewiesen, ob die Banane überhaupt verdaulich und damit als Lebensmittel anzusehen sei, noch auf die ebenso extreme Ansicht eingehen, ohne Banane sei kein Frühstück, und ohne dieses überhaupt keine gesunde Ernährung möglich.

Mit Ausnahme dieser Extreme soll hier jedoch ein Spektrum der Meinungen abgebildet werden, die diese wichtige Debatte bis dato dominiert haben. Die Redaktion hält sich dabei mit einer Bewertung bewusst zurück.

 

Die Müslikultur als Ganzes ist das Problem

Die Engländer machen es uns vor: bei einem traditionellen English Breakfast mit Bohnen, Spiegelei und Bratwurst ist für bunte Früchte und ihre faulen Stellen kein Platz – das Bananenproblem hat also gar nicht erst die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Die Anti-Müsli-Fraktion vertritt ganz klar die Ansicht, dass das Obst insgesamt zu den Nachtischen und Zwischenmahlzeiten zu rechnen ist, und gesteht zu, dass dort selbstverständlich auch die Banane ihren Platz hat. Sie jedoch gleich nach dem Aufstehen auf dem Teller vorzufinden, ist für sie jedoch tatsächlich eine Zumutung, bei der sie durchaus Sympathie für die Bananenkritiker entwickeln.

 

Die Banane ist gar keine richtige Frucht

Die Obstwiesenfreunde sind für Müsli und Früchte am Frühstückstisch durchaus zu haben, und entwickeln zuweilen sogar eine freundliche Toleranz für nichttraditionelle Früchte wie die Kiwi (wobei sie natürlich weiterhin für eine strikte Trennung der Kiwi und Ananas von den Milchprodukten eintreten); die Banane jedoch erregt auch bei ihnen weiterhin Anstoß. Früchte zeichnen sich nach der Definition der Obstwiesler durch Rundlichkeit und eine gewisse Fruchtsäure aus – beides Eigenschaften, die der Banane ganz entschieden fehlen. Sie widersetzt sich damit nicht nur der konfliktfreien Integration auf dem Obstteller, sondern ist auch grundsätzlich ungeeignet zur Abrundung des Geschmackserlebnisses von Breispeisen. Ein wichtiges Anliegen der Obstwiesler ist daher von allem die Rückdrängung von geschmacklichen Obszönitäten wie Bananenjoghurt und Griesbrei mit Banane. Ein beliebter Merkspruch der Obstwiesler bringt die Position auf den Punkt: Ein Klassiker wie Toast Hawaii hätte sich mit Banane nie durchgesetzt.

 

Geschmäcker sind eben verschieden

Eine große Mehrheit der Diskutanten zählt sich in der einen oder anderen Weise zu den Toleranten, die – auch wenn sie persönlich der schlangenartigen Form und dem weißlichen Fleisch der Frucht skeptisch gegenüberstehen – prinzipiell nichts dagegen haben, Bananenliebhaber ihre Frühstücksgewohnheiten zuzugestehen. „Frühstücken und frühstücken lassen“, lautet ihr Motto. Sie weisen gerne darauf hin, dass die meisten von uns im Privatleben gar nicht mit Bananenessern in Berührung kommen, das das Frühstück Privatsache sei und man die Ausmaße des Bananenkonsums nicht übertreiben solle, um das Feuer der Diskussion nicht unnötig anzufachen. Gegner der Toleranzfraktion greifen mitunter zu üblen Verunglimpfungen, wie der Behauptung, diese würden bestimmt selbst vor kalter Pizza vor dem ersten Kaffee nicht zurückschrecken. Ein Problem, mit dem sich die Toleranzfraktion wohl noch nicht ausreichend auseinandergesetzt hat, ist, wie eine zu große Deregulierung der Frühstücksgewohnheiten das Buffetangebot insbesondere in kleineren Hotels überfordern würde, und welche ausgleichenden Maßnahmen für die Verluste der mittelständischen Unternehmen getroffen werden müssen.

 

Die Banane als Bereicherung

In jeder Diskussionsrunde darf natürlich auch ein erklärter Bananenfrühstücker nicht fehlen. Auch wenn ihre Argumente oft sperrig und trocken daherkommen – sie ziehen oft technische Daten der Banane wie Nährwerttabellen heran, und sprechen über Randthemen wie Vitamin B3- und Kaliummangel – ist ihr Anliegen recht einfach zusammenzufassen: Sie wollen die Banane als Bereicherung des Frühstückstischs verstanden wissen. Anschuldigungen, dass sie eine durchgängige Umstellung der Ernährungsgewohnheiten durchsetzen wollen, weisen die meisten Vertreter dieser Gruppe weit von sich. Manche gehen zwar so weit, kleine Teller mit geschnittenen Bananen zum Probieren in die Diskussionsrunde mitzubringen, die große Mehrheit der Bananenfreunde lehnt aber solche populistischen Anbiederungsversuche ab, da sie zu große Kontroversen auslösen und die Ängste der Allgemeinheit noch schüren könnten. Im Grunde stellen sich die Bananenfrühstücker als harmlose Esser vor, die lediglich das Recht einfordern, am Tisch mit Platz zu nehmen. Ob ihnen das in Zukunft gelingen kann, wird sich erweisen.

Werbeanzeigen

3 Kommentare

  1. Die abgebildete Banane wurde soeben von mir verzehrt, und zwar als Müsli, der einzigen Form, in der ich Bananen für geniesbar halte. Das Rezept stammt aus meiner frühen Kindheit, in der Yoghurt ein völlig unbekanntes Lebensmittel war, von dem man noch nicht einmal das Wort kannte. Müsli nannte man eine mit der Gabel zerquetschte überreife Banane, vermatscht mit Zitronensaft und Haferflocken. Überreife Bananen bekam man am Obststand im Tausch gegen alte Zeitungen, ganz ohne Geld, weshalb sie das einzige Obst (?) waren, das im Haus meiner Kindheit nie fehlte. Alles andere Obst fehlte so gut wie immer. Die Frühstücksfrage ist damit aber nicht geklärt, weil wir Müsli immer erst abends zu uns nahmen; wahrscheinlich war der Obststand morgens noch nicht geöffnet.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s