Zungenbrecherwasser: laut vorzutragen

Der Hutzelzwerg lässt den Haselzweig den Strudelbach hinunterpurzeln. Er würde wohl wagen, hinterherzuhüpfen, allein, er strudelt nur schwer durch die sprudelnden Quellen. Der Haselzweig spritzt über Stein und Teich, hängt zehn Zählzeiten zwischen Wurzeln fest, lässt lässig leere Borkenboote vorübergleiten. Dann, zum Sprung in den Wasserfall entschlossen, reißt er sich los und es ihn in die schäumenden Fluten.

Hat Hutzelzwerg ihn nicht längst aus dem Blick verloren? Bleibt blind sein Blick, von blühenden Büschen blstreckt, da – hält ihn am Arm der lange Bart eines bissigen Bibers, der lange schon nach einer Stütze für seinen Bau geschnappt.
Lang liegt der elastische Ast gelangweilt in der Wohnzimmerwand ohne Aussicht – Frau Biber ist nicht für Geschmack, noch für Geschmacklosigkeiten bekannt. Die Biberkinder ringen wild um die biestigsten Bissen, bis bei dem Kampf der Ast endlich wieder die Freiheit erfährt.

Als Boot bricht er aus und auf auf die weitere Reise. Leis, leicht und lieber ohne Lebewohl zu lallen, lässt er sich treiben, sein Traum ist es Treibgut zu sein. Er trägt und erträgt träge die letzte Libelle, die der Tag in Trance aus Hitze und flimmernden Licht versetzte. Schließlich jedoch beschließt er, den Fluss zu verlassen, die Zunge zu trocknen und fragt sich, ob er am Ufer nicht seinen Freund Hutzelzwerg wiedertrifft.
Mangels beider Beine scheitert leider sein Eifer. Heiter trägt das Plappern des Blubberwassers ihn weiter durch die ganze Nacht.

Frage an alle: Wird der Zweig das Meer erreichen und Treibgut werden?
Andere Frage: Wird der Zwerg das Meer erreichen, oder wird er wegen widerrechtlichen Haselzweigentwendens festgehalten? Er hat, wie man hört einen schrecklich streitsüchtigen Nachbarn. Dieser schneidet nicht nur stets Haselsträucher, sondern er baut auch Blaukraut an, nur um Brautkleider zu besudeln. Der Hutzelzwerg hat für sich selbst schon ein bläuliches Brautkleid gewählt, aber braucht er nicht dennoch ein reines Kleid für die Feier? Er ehelicht nicht umsonst Friedrich, genannt Fischers Fritz, der im Fischernetz die fröhliche Feier feiert. Im Fischernetz feiert die feucht-fröhliche Feier Fischers Fritz. In der von zweindzwanzig Ziegen gezogenen Cottbusser Postkutsche tuckern sie schließlich nach Potsdam und zwitschern sich zwischendurch einen vom Zwetschgenschnaps. Endlich, nach längerer Reise erreichen sie doch noch die Küste, sie küssen sich zärtlich, entsteigen der knarrenden Kutsche und waten durchs Watt. Da! Sieht der Hutzelzwerg weit weg einen kleinen Pfeiler, ganz ähnlich dem Ast, an dem er vor Zeiten gesägt (Oder dem Mast, vor dem er beizeiten gefegt?)

Tatsächlich: wer sich den glücklichen Ausgang dieser Geschichte wünscht, der sieht sie hier alle vereint: Hutzelzwerg im bläulich besudelten Brautkleid, Fischers Fritz, genannt Friedhelm (die Hauptsache, er hört!), der durchgenudelte Haselzweig und die Ente, die dieser unterwegs aufgegabelt hat (mit seiner einzigen, doch wie sich zeigt entscheidenden Astgabel).
Wem dieses glückliche Ende suspekt ist, sieht höchstwahrscheinlich nur zwei in Wattenmatsch gebadete Wanderer in wahrhaft wunderlicher Garderobe.
Doch von solchen Banausen wollen wir uns nicht beirren lassen.

Herausforderung: Wer schafft das fehlerlose Vorlesen am Schnellsten?

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