Gedankenmüllrestpostenannahme

Mein Webbrowser fragt mich, wie wahrscheinlich es ist, dass ich ihn an Freunde oder Bekannte weiterempfehle. Gleichzeitig zeigt er mir – offensichtlich ganz stolz – die blödesten unwahrscheinlichen Pseudomeldungen, die das Internet so zu bieten hat. Das interessiert doch alle, nicht wahr, findet er, also interessiert es doch sicher auch dich: „Heidi Klum: jetzt dreht sie völlig durch!“
Naja, denke ich, das ist irgendwie… Und will noch höflich sein, aber einen Webbrowser, der Höflichkeit von mir verlangt, würde ich an niemanden weiterempfehlen: Es ist doch das mindeste, dass man eine Maschine anschreien kann, wenn einem danach ist, oder auslachen, wenn sie einem Schlagzeilen wie diese vorsetzt: „Frau tötet Ehemann und versteckt ihn jahrelang in Backpapier“.

Das wirft doch Fragen auf! Ich stelle mir das durchaus unpraktisch vor: Hat sie ihren toten Mann in Backpapier eingewickelt und darin mumifiziert? Stell dir mal den Muskelkater vor, und dann bist du da ewig beschäftigt, das blöde Backpapier reißt alle naslang – naja, du hast natürlich gar keine Muskeln, Browser, und Backpapier kennst du auch nur aus der Werbung, und da reißt es nie im unpassenden Moment. Eignet sich Backpapier überhaupt zur Mumifizierung?

Vielleicht hat die Dame ja auch einfach eine wahnsinnig ausladende Backpapierschublade. Gut, vielleicht ist da auch noch die eine oder andere Rolle Alufolie drin, aber wenn da die Sonne draufscheint, und das blendet dann die Nachbarn, dann ist das kein besonders gutes Versteck: Backpapier hat auf jeden Fall das bessere Camouflagepotential, klar. Aber wie ist es mit der Verwesung? Den Gestank will doch eine gute Hausfrau nicht ausgerechnet in der Küchenschublade haben.

Also hat sie ihn vielleicht doch eingewickelt (Technik im Sushikurs gelernt – es lebe die Volkshochschule!) und dann vergraben? Also das Backpapier quasi als Sargersatz benutzt? Das spart ja auch Geld. Aber dann, lieber Browser, ist deine schöne Meldung ziemlich irreführend, denn ehrlich gesagt trägt in dem Fall die Erde das meiste zum Verstecken der Leiche bei, das musst du zugeben.

Also, es muss so gewesen sein: Die Frau war Backpapierfabrikantin…
Das sind die Abgründe, in die mich mein Webbrowser stürzt, noch bevor ich mein Gehirn richtig hochgefahren oder auch nur an meine Mails gekommen bin. Wo dann auch nur Schwachsinn drinsteht, und das nennt sich dann Arbeitstag.

Nein, Browserchen, frag mich lieber nicht zu oft, ob ich dich weiterempfehlen will, sonst kommt es früher oder später dazu, dass ich mich empfehlen muss.

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