Gedacht und Nachgedacht

Hier finden sich Überlegungen über die Merkwürdigkeiten, die mir begegnen – in der Welt, im Alltag, in meinen Mitmenschen und im Allgemeinen.

Des Kaisers neue Deckmäntelchen

Die Sprachphilosophen, von denen ich fast auch mal eine war, haben natürlich auch über die Ironie geschrieben. Sie hat mit Pragmatik zu tun, also das, was Gespräche effizient macht: man sagt normalerweise nichts Überflüssiges, und auch nichts allzuweit Hergeholtes. Die Ironie ist die Art Witz (wenn sie denn ein Witz ist), bei dem die normalen Regeln der Pragmatik verletzt werden. (mehr …)

Gedankenmüllrestpostenannahme

Mein Webbrowser fragt mich, wie wahrscheinlich es ist, dass ich ihn an Freunde oder Bekannte weiterempfehle. Gleichzeitig zeigt er mir – offensichtlich ganz stolz – die blödesten unwahrscheinlichen Pseudomeldungen, die das Internet so zu bieten hat. Das interessiert doch alle, nicht wahr, findet er, also interessiert es doch sicher auch dich: „Heidi Klum: jetzt dreht sie völlig durch!“ (mehr …)

Kinder manipulieren – eine Gebrauchsanleitung

Täglich, stündlich, ununterbrochen manipuliere ich meine Kinder. Ich schäme mich nicht dafür, nein, ich bin sogar noch stolz drauf. Die Alternativen, die das Erziehungsregister bietet, sind nämlich eher moralisch noch fragwürdiger: die Schaffung unabänderlicher Tatsachen (Schicksal spielen) und rohe Gewalt. (mehr …)

Gehört die Banane zum Frühstück?

Immer wieder ist in den politischen Debatten der letzten Jahre diese brennende Frage aufgetaucht, die auch wir nicht länger ignorieren können. Die Positionen dieser Diskussion sind auch innerhalb unserer Diskussion schwer umkämpft, und sollen an dieser Stelle einmal übersichtlich und natürlich ganz neutral zusammengetragen werden. Im Sinne des vernünftigen Diskurses müssen wir Extrempositionen von beiden Seiten leider ausklammern, da wir sie in diesem Rahmen nicht mit der nötigen Umsicht diskutieren können.

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Der Schatten Schattenseite

Die Texte, die ich für eine andere Webseite schreibe, werden als Information deklariert. Ich hatte immer ein unbestimmt komisches Gefühl dabei, sagte mir aber selbst, ich solle mich nicht so anstellen. Information also, über Musik in der Stadt Frankfurt, das ist eigentlich ein leichtes Thema, um darüber zu informieren. Heute bin ich dem Problem aber auf die Schliche gekommen: in einer kleinen Anmerkung der Redakteurin, die die Formulierung „im Schatten der Banken“ für zu düster und negativ erklärte. (mehr …)

Musik und Erzählen 2

Mein Gesprächspartner mag nur Musik, in der auch gesungen wird, alles andere bezeichnet er als langweilig. Darum interessiert es mich, was für ihn eigentlich der Kern der Musik ist, der Text oder die Musik an sich. Ich frage ihn deshalb, ob er auch Lieder mag, deren Text er nicht gut findet, und umgekehrt, ob ein Lied, dessen Text gut ist, die Musik aber langweilig, ihn auch interessiert. (mehr …)

Musik und Erzählen 1

Ist die Schlange immer noch tot?

Die Kinder hatten entdeckt, dass dieses Bilderbuch das A. zu Weihnachten bekommen hatte, Musik machen kann: Jede Seite spielt ein kurzes Stück aus Mozarts Zauberflöte, wenn man auf den entsprechenden Knopf drückt. Und F. wollte jetzt auch so ein Buch haben. Jetzt, das heißt nicht gleich, oder wenn die Geschäfte offen haben, oder wenn ich fertig aufgeräumt habe, sondern jetzt heißt jetzt in dieser Sekunde. Es ist also nur einem meiner Ablenkungsmanöver geschuldet: Die Zauberflöte kann man sich im Internet jederzeit in den verschiedensten Inszenierungen vollständig angucken. Ich dachte, ich schaue mal, was passiert. (mehr …)

Sportschau

Im Sommer 2006 bin ich oft Fahrrad gefahren. Es war ein fast irreales Gefühl, durch die menschenleeren und autofreien Straßen zu sausen, so ungestört als wäre man der einzige Mensch, der nicht im Urlaub, vor Bildschirmen und Leinwänden oder im Stadion saß. Die Freiheit, etwas Wichtigeres zu tun zu haben als sich der Allgemeinheit anzuschließen. Trotzdem wurde mir der Punktestand in Echtzeit mitgeteilt, mit Geschrei, oder von Weitem eher einem Summen, das aus allen Fenstern strömte. Diese indirekte Art, Fußball zu erleben, ist mir die Liebste. (mehr …)