Adventskalender 16

Wir sind auf einem Tantengeburtstag im Café eines Museums eingeladen. Erfreulicherweise gibt es eine prima ausgestattete Spielkiste, und die Kinder beschäftigen sich ziemlich lange damit, Spielzeuge und Bücher hin- und herzutragen. Die Dinosaurier in den Büchern sind natürlich alle „Wauwaus“ für A.; F. dagegen will sein Buch öffentlich als Rede vortragen, als das Geburtstagskind gerade in einer öffentlichen rede alle Gäste einander vorstellt. Irgendwann entdecken die beiden leider die Brüstung, über die man ins untere Stockwerk des Cafés schauen kann, und fangen an, daran hochzuklettern. Schnelle Kleinkinder, die man alle paar Minuten retten muss, und nette Senioren, die einem umständliche langsame Geschichten erzählen, erfordern eine besondere Art des Multitaskings. Manchmal gelingt es mir fast, wieder an meinem Platz zu sein, bevor die Unterhaltung überhaupt zu einer Unterbrechung gelangt ist. Aber meinen Sport habe ich heute damit schon erledigt.

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Adventskalender 15

Wir treffen einen Kindergartenkollegen und dessen Papa auf dem Spielplatz. Ein Glück, u diese Jahreszeit sind meistens eher keine Kinder da, und F. hält nichts von Spielplätzen ohne Kinder. Die beiden graben Löcher im Sandkasten, wir Erwachsenen beschäftigen uns damit, sicherzustellen, dass A. seine Schaufel behalten darf und niemand Sand schmeißt. Irgendwann bringen die beiden großen mit ihren Schaufeln Holzspäne, die unter den Klettergerüsten den Boden abfedern sollen, und schütten sie in ihre Sandlöcher. B.s Papa protestiert, sie sollen den Sand sauber lassen. Ich mische mich nicht ein. „Findest du das spießig, dass ich den Kindern das verbiete?“, fragt mich B.s Papa schließlich. Ich schüttele den Kopf und rede davon, dass der Sandkasten sowieso unter abgefallenem Laub begraben sei. Eigentlich ist einfach meine Eingreifschwelle noch nicht überschritten. Es ist spät am Nachmittag, und mit jeder Minute steigen meine Müdigkeit und das Tobebedürfnis der Kinder: Nach einer gewissen Uhrzeit wird nur noch in Notfällen erzogen, denn Erziehung braucht Geduld auf beiden Seiten.

Adventskalender 14

„Will denn jemand was zum Nachtisch?“ fragt Oma. „Jaa!“, ruft F. mit begeistert aufgerissenen Augen „Schokolade!“ – „Hast du die Schokolade denn gesehen?“ – „Ja, im Regal, in deinem Zimmer.“ F. schaut seine Oma etwas mitleidig von der Seite an und schüttelt den Kopf „Das war kein gutes Versteck.“

Adventskalender 13

A.  nimmt den Kinderkoffer in die Hand und sagt „Tschüß!“ und winkt. Dann geht er los bis zur Tür, die er noch nicht alleine aufmachen kann. Wenn man ihm die Tür aufmacht, geht er kurz raus, und macht dann das Ganze noch mal.

Er sagt sehr gerne „tschüß“, damit kann ich ihn gut austricksen, wenn er eigentlich noch nicht gehen will: Sich verabschieden macht so einen Spaß, dass das Weggehen dann Nebensache wird. Wenn wir uns von Oma und Opa verabschiedet haben, und alle ausgiebig gewinkt haben, spricht er von der Tür noch mal mit mir darüber, und sagt zufrieden: „Sag Tschüß!“ – Sie haben „tschüß“ gesagt!

Adventskalender 12

Alle wollen mit Pfannkuchen backen; beide Kinder scheiben Hocker und Stühle an die Arbeitsplatte, streiten sich um den besten Platz, versuchen sich gegenseitig wegzudrängen. Ich habe alle Hände voll zu tun, Streit zu schlichten, die Zutaten vor dem runterfallen zu bewahren und vielleicht auch noch das Projekt Pfannkuchen weiterzubringen. „Mama ich bin der Kock. Und wer bist du? Wie hießt der oberste Koch?“ Wir überlegen ein bisschen, und entscheiden dann, dass wir der Chefkoch und  der Sous-Chef sind. Oder Ich bin der Koch und F. ist der Pfannkucher. A. liebt Deckel, und ich tausche in einem günstigen Moment die Zuckerdose gegen eine leere Dose mit Deckel aus. F. findet allerdings, dass er ja schon groß ist und Zucker essen darf, „nur ein bisschen, Mama!“ Wenn der erste Pfannkuchen fertig ist, wird alles entspannter werden, damit lässt A. zumindest sich ablenken. F. ist schon recht geschickt darin, den Teig in die Pfanne zu gießen, aber nicht, wenn er irgendwie abgelenkt wird oder A. auch an die Schüssel will. Ich backe schnell die ersten Pfannkuchen und verfrachte das erste gefräßige Monsterchen an den Tisch. Aber es bleiben zu viele Baustellen. Nachdem ich den Teig in die Pfanne gegeben habe und die Schüssel wieder auf der anderen Seite des Herds abstellen will, weg von den Kinderhänden, verfehle ich die Arbeitsplatte um ein kleines Stück. Wir haben zwei Pfannkuchen, eine kaputte Schüssel und den Küchenfußboden voller Teig. „Oh! Oh!“ ruft A. aufgeregt und zeigt auf das Unglück. „Nicht dahin gehen, du hast keine Schuhe an!“, belehrt ihn sein großer Bruder. Beide sind eigentlich zufrieden mit dem Ergebnis der Aktion.

Adventskalender 11

Im Kindergarten sind viele Kinder, und es beginnen die ersten strategischen Machtkämpfe. „Du bist nicht mein Freund!“ begrüßt F. eines Morgens seinen wichtigsten Spielkameraden. Oder er erzählt mir empört: „Mama, der Antonnio hat gesagt, ich bin ein Baby!“. „Wer ist denn dein Freund?“ frage ich auf einem Spaziergang in einer ruhigen Minute. „Der Ayoub!“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Ayoub ist der beste Freund aus der Krabbelstube, da gab es noch klare Verhältnisse. Leider ist er nicht mitgewechselt, die beiden sehen sich nur noch selten. „Und im neuen Kindergarten?“ – „Ich wechsel immer meinen Freund. Der Felix, die Emma, der Bernhard, und der Lorin…“ – „Weißt du, man kann mit vielen Leuten befreundet sein. Man muss sich gar nicht entscheiden.“ – „und der Emil…“ Willst du die alle zu deinem Geburtstag einladen?“, frage ich. Das findet F. eine „gute Didee“. Bis zum Geburtstag dauert es aber noch ein Vierteljahr; bis dahin können noch viele Freundschaften kommen und gehen.

Adventskalender 10

Opa macht im Kaminofen das Feuer an. „Euer!“, sagt A. ganz aufgeregt, kommt um die Ecke und zieht mich am Hosenbein, bis ich mit gucken komme. Gewichtig zeigt er auf das Feuer: „Euer!“ Ähnlich faszinierend sind die Kerzen auf dem Adventskranz. Der Gasherd klickt, wenn man ihn anmacht, deshalb schnalzt A. mit der Zunge, wenn er das Feuerzeug haben will. Oder er pustet, um anzuzeigen, dass er die Kerze angemacht haben will, lässt sich hochheben und versucht erstaunlich hartnäckig, die Flamme auszupusten. Manchmal schafft er es sogar zufällig, und nach will er nochmal. Da F. auch gerne Kerzen auspustet, dauert das Spiel so lange, bis der beteiligte Erwachsene keine Lust mehr hat. Weihnachten wird noch spannend.

Adventskalender 9

Es muss ein Märchenwald gewesen sein, in dem wir im Herbst spazieren waren. F. wollte wandern, hatte schon Tage vorher sein Rucksäckchen gepackt, und am Wochenende gingen wir los, F., ich, Oma und Opa. Ein Wald, in dem ein dreijähriges Kind ohne sich ein einziges Mal zu beklagen zwei Stunden herumläuft; ein Wald, in dem einem Polen mit riesigen Körben voller riesiger Steinpilze entgegenkommen. Ein Wald, in dem wir nicht nur Pilze fanden, sondern auch drei blaue Murmeln. Ein paar Tage später waren die Murmeln bereits in irgendeiner Sofaritze verschwunden. Ob sie von dort aus den Weg in den Wald zurückfinden? Eigentlich müsste das Haus wegrollen, es liegt inzwischen auf einem ganzen Kugellager aus Murmeln. Zum Glück stopfen ebenso viele Kindersocken die Zwischenräume aus, so sind wir gut gepolstert.

Adventskalender 8

Im Supermarkt kommt man als erstes durch die Obst- und Gemüseabteilung, aber ich bin schon ganz gut darin, mich heimlich daran vorbei zu schleichen. A. darf die Bananen nicht sehen, sonst wird der Einkauf zwar objektiv kürzer, aber gefühlt zehnmal so lang. „Nana! Nana!“ ruft er, und legt das ganze Elend seines jungen Lebens in diesen Ausruf. Der Supermarkt ist das Schlaraffenland des Tantalus, und das beginnt nicht erst im Alter von F., in denen die Eltern erst so richtig mit der Nase darauf gestoßen werden, wie lange vor Weihnachten die ersten Schokoladennikoläuse verkauft werden. Nimmt man das Osterangebot dazu, kommt man ungefähr auf sechs Monate im Jahr, in denen die Quengelware nicht nur an der Kasse sondern auf der Gesamten Einkaufsstrecke aufgebaut ist. Wenn es gut läuft, habe ich es also in die Kassenschlange geschafft, ohne das F. sich zwischen den Regalen versteckt und in einen Nikolaus gebissen hat, A. den ganzen Einkauf über nach seiner Nana weint oder irgendein Comicheft mit Plastikspielzeug mir wieder meine ganzen Überredungskünste abverlangt. Spätestens hier muss ich aber die Bananen auf das Laufband legen (denn wir brauchen immer Bananen, aus naheliegenden Gründen), und A. fängt an zu weinen. „Wir müssen die Sachen erst bezahlen, dann kriegst du gleich eine“ erkläre ich, aber eigentlich eher für die umstehenden Erwachsenen, A. interessieren die Spielregeln des Kapitalismus noch herzlich wenig. Sobald die Bananen eingescannt sind, noch vor dem Bezahlen, bekommt er eine, die ich auch sofort aufmachen muss, ein Stück für jede Hand abbrechen, und dafür sorgen, dass F. nicht die Schranke ausklappt, die anzeigt, dass die Kasse geschlossen ist. Dann muss nämlich die Kassiererin herauskommen und wieder aufschließen. Dann liegt nur noch der Kaffeeautomat auf dem Weg nach draußen, wo die kleinen Döschen mit Kondensmilch liegen, die F. blitzschnell aufmachen und austrinken kann, zwei drei, bis ich mich mit dem Kinderwagen zu ihm manövriert habe. Einkaufen ist ein Abenteuerspielplatz.

Adventskalender 7

Die Kinderturngruppe macht eine kleine Weihnachtsfeier in der Kneipe des Turnvereins. Nach einer Weile entdecken ein Vater und einer der mitgebrachten älteren Geschwister den Kicker, der in einer Nische spielt. F. ist sehr interessiert und will sofort mitspielen, traut sich aber nicht richtig, zu fragen. Wir nähern uns vorsichtig und F. wird von dem Vater sofort eingeladen. Erst beim dritten Mal traut er sich, zu antworten und seinen Namen zu sagen; aber dann ist das Eis gebrochen, ein Stuhl wird angeschleppt und F. bekommt die Stange mit den Stürmern. A. sieht uns von Weitem und fängt sofort an, zielstrebig und ausdauernd seinen Stuhl (der um einiges größer ist als er selbst) zu uns zu schieben. Schließlich stehen sechs bis acht Kinder zwischen eins und vielleicht acht Jahren, und einige zugehörige Eltern um den Kicker herum. Tischfußball ist auch ein Mannschaftssport. Alle Tore, auch die Eigentore, lösen große Begeisterung aus, es gibt einiges Handspiel und den einen oder anderen Versuch, selbst auf den Tisch zu klettern. Das beste Spiel des Jahres, keine Frage.