Terror der Dinge

„Ray-Ban. It takes courage.“

Man braucht uns als Konsumenten. Etwas zu kaufen bleibt immer möglich, wird uns überall aufgedrängt, ist geradezu unvermeidbar, passiert leicht, auch ohne dass man überhaupt etwas davon merkt. Vielleicht ist das alles normal, ist man versucht zu denken; vielleicht ist es nur natürlich, dass das virtuelle Geld auf den Konten nicht nur auf Dinge wie Miete, Telefonrechnungen, Versicherungen, etwas Essen verteilt wird, sondern auch auf Dinge, die einfach schön sind, vielleicht nützlich, bestimmt praktisch, ganz neu, Firmen ohne bekannte Geschäftsadresse, bei denen es Jahre dauern kann, das obsolete Abo zu kündigen, Firmen, auf deren Internetseite man sich nie angemeldet hat, was man aber nicht beweisen kann. Denn wo ist die Grenze zwischen dem Nötigen, dem Luxus, und dem Überflüssigen? Wir besitzen bereits am Lebensanfang mehr Dinge, als unsere Großmütter je hätten haben wollen. (mehr …)

Schreckschrauben, die vor Schreck schreiben, Folge 2

Liebe Leser,

so haben wir nicht gewettet!

Wir haben – sehr zu unserer Freude – eine unerwartet große Anzahl an Zuschriften bekommen. Es scheint tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Schock und Gedicht zu bestehen, und unser Verlag plant nun eine Anthologie unter diesem Titel, die die Literaturgeschichte in ganz neuem Licht erscheinen zu lassen verspricht. Dennoch müssen wir es energisch von uns weisen, Gedichte anzunehmen, die entstanden sind, indem man zukünftigen Dichtern mit Absicht Unheil zugefügt hat! Diese Art der Geschichtsschreibung und Geldmacherei können und wollen wir nicht unterstützen! Wir bitten also mit Nachdruck darum, von Zusendungen wie dem untenstehenden Beispiel abzusehen!

(mehr …)

Wenig tun

Ich freue mich an meinem  Zoo, den lieben Tierchen, die ich nicht einsperre, sondern frei fliegen lasse. Das hat zwar den Nachteil, dass man nie weiß, wann sie wieder in beobachtete Gebiete zurückkommen, oder wann sie an den ungünstigen klimatischen Bedingungen der fremden Länder, in die es sie verschlägt, zugrunde gehen; aber es hat den Vorteil, dass man sie nicht füttern muss. Und man muss keine lästigen Käfige putzen und keine überwinden, wenn man die Tierchen genauer sehen will.

(mehr …)

Little Monster Travels 2

Linus wäre nie davon zu überzeugen gewesen, dass Dana nicht zaubern konnte. Vor ein paar Jahren war in ihm die Erkenntnis gereift, dass ihn das Bild des Kaffeehausintellektuellen ihn wesentlich mehr interessierte als das Durchackern mehrerer Regalmeter Sekundärliteratur zur Kritik der reinen Vernunft. Und so hatte er sein Philosophiestudium mit einem Entschluss statt mit einem Abschluss beendet, seinen Nebenjob als Kellner zum ehrenwerten Hauptberuf des Baristas aufgewertet und sich selbstständig gemacht. Gerade zu dem Zeitpunkt, als er begann, sich damit abzufinden, dass Kaffeehausintellektuelle wohl seit mindestens sechzig Jahren ausgestorben waren (oder vielleicht hatte die Evolution zugeschlagen und sie waren zum Hipster mutiert?), als Dana eine seiner erster Stammgäste wurde.

(mehr …)

Kanonkaleidoskop

Je kürzer der Kanon, desto besser eignet er sich dafür, ihm diese Gemeinheit anzutun.

Nehmen wir das Lied „Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist ist ein König.“

Wenn man ihn mehrstimmig singt, ist es für das Ergebnis egal, ob jeder das ganze Lied singt, oder ob man die einzelnen Stücke auf verschiedene Sänger verteilt. Das einzige Problem dabei: der Kanon geht im Kopf kaputt, wird zu einem Haufen Unsinnsscherben, und man kann ihn zwar vielleicht noch normal singen, aber nie wieder normal hören.

(mehr …)